LESEPROBE:   

Die Diagnose:

 

Sie haben, genau wir ihr Vater auch, Spondylitis ankylosans. Also: Morbus Bechterew.

 

Na dann herzlichen Glückwunsch dachte ich verbittert. Und nun? „Was ist denn Bechterew genau?“ fragte ich den Arzt müde. Der erklärte mir dann schonungslos:

 

„Bechterew ist eine aggressive, chronische Rheuma-Erkrankung bei der hauptsächlich die Wirbelsäule und die Hüften regelmäßig entzündet sind. Meistens kommen dann noch Sehnen an Knochen, Muskeln, Knorpel, Gelenken an Armen und Beinen, wie auch innere Organe wie z.B. die Lunge dazu.

Je weiter es fortschreitet, desto mehr besteht die Gefahr, dass die befallenen Gelenke an der Wirbelsäule oder der Hüfte steif werden und verknöchern. Das heißt, dass man entweder einen steifen Hals kriegt der einem dann für immer bleibt, oder noch schlimmer- dass sich die ganze Wirbelsäule verbiegt und man den typischen Buckel kriegt.

Schlimmstenfalls braucht man auch eine künstliche Hüfte, und ist in allen Fällen, fast immer stark in seiner Bewegung eingeschränkt. Aus dem Grund können viele in ihrem Beruf nicht mehr arbeiten und müssen eine Umschulung machen. Manchmal führt es zu totaler Arbeitsunfähigkeit und der Patient kann nur noch für die Früh- oder Invalidenpension einreichen.“

 

„Und was heißt das jetzt für mich??“

„Dass du dich von nun an auf noch mehr Schmerzen gefasst machen kannst, Mädchen“.

 

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Zu Hause machte ich mich dann erst einmal schlau, was ich mir da wirklich „eingefangen“ hatte. Spondylitis ankylosans. Wie sich das schon anhörte.

Vom Arzt bekam ich mehrere Informationsbroschüren mit, die ich nun sorgfältig studierte.

Bechterew würde meistens zwischen dem 18.und 30. Lebensjahr beginnen, stand da z.B. Bei manchen Patienten beginnt es aber auch schon vor, oder während der Pubertät. Seltener bereits, sogar bei kleinen Kindern!

Alleine in Österreich wären ca. 40.000 – 80.000 Menschen betroffen! Tendenz stark steigend. (Und das aber vor 20 Jahren!!) Na Halleluja.

 

Benannt wäre der ganze Spaß nach dem russischen Neurologen und Psychiater Wladimir von Bechterew, der im 18. Jahrhundert lebte. Interessanter Weise soll es die Krankheit aber auch schon viel, viel früher gegeben haben, nämlich damals, im alten Ägypten schon!

So soll es diverse Skelett-Funde geben, die die heute bekannten, typischen Bechterew- Deformierungen und Verknöcherungen aufwiesen. Sehr interessant.

 

Schon immer hat es Menschen gegeben, die steif, krumm und gebückt daher kamen. Die immerzu über Rheuma oder sonstige Schmerzen jammerten und klagten. Einigen wird da spontan vielleicht der Ur-Großvater einfallen, oder sonst jemand aus der alten Generation. Früher sagte man halt, der Mensch ist „zam g´arbeit´, und fertig“. Tatsächlich hatten viele aber schon Bechterew, nur war das da, noch kaum jemanden bekannt.

 

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Irgendwie erinnerte ich mich plötzlich an eine Weissagung.

Mehr aus Spaß ließ ich mir kurz vor meinem 16. Lebensjahr, kurz bevor meine Schmerzen anfingen, von der Mutter eines Freundes die Karten legen.

Ich hielt zwar nichts von dem Humbug, aber neugierig war ich halt dann doch.

Die Dame sagte Erstaunliches zu mir, was ich noch bis heute im Gedächtnis habe.

„Du wirst krank werden. Unheilbar krank. Diese Krankheit wird dein Schicksal. Du stirbst zwar nicht AN ihr, aber MIT ihr“. Gruselig. Echt gruselig.

 

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